Gestern hatte ich wieder einmal einen meiner philosophischen Abende. Ich dachte über einiges nach, während ich vor meinem Schreibtisch saß und wie hypnotisiert einen Baum aus dem Fenster anstarrte.

Vor allem dachte ich über das Zeichnen und über die Linie als solches nach!

  • Warum gibt es so viele Zeichentechniken? Einige Zeichner sehen, beispielsweise, nur in Farben, andere nehmen nur Hell & Dunkel wahr und wieder andere geben sich der puren Linienführung hin.
  • Worin unterscheiden sich ausgebildete Zeichner von Laien?
  • Warum ist die Linie so wichtig?

Und dann erinnerte ich mich zurück an meine Ausbildung zum Mediengestalter.

Das spleenige Genie

Wir hatten viele außergewöhnliche und eigensinnige Professoren. Doch einer ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben, denn er war spleeniger als andere und versprühte das gewisse Etwas mit seinem Auftreten!

Dauernd sagte er: Ihr müsst »Mut Zur Linie« haben! - ließ uns mit Kugelschreibern Zeichnungen anfertigen, damit wir nicht Radieren oder Verwischen konnten und sah dabei wie ein verkanntes Genie aus! - Damals klang das für uns wie Unsinn. Aber mittlerweile beginne ich es zu verstehen! Nichts ist interessanter als die reine, unberührte Linie!

Viele Menschen haben Angst vor der Linie, weil sie glauben, dass sie nicht Zeichen können. Sie sind schüchtern. Sie fürchten sich ihre Komfortzone zu verlassen und mit Neuem zu experimentieren! - Gehöre ich vielleicht auch dazu?

Joseph Beuys vertrat die Meinung, dass jeder Mensch zu Zeichnen fähig ist. Kunst bedarf keiner besonderen Begabung und ist ohnehin Ansichtssache!

Tatsächlich kann man, allein an der Linienführung, den Charakter eines Menschen ablesen!

Schüchterne und unsichere Menschen, zum Beispiel, tendieren dazu, gerade Linien zu vermeiden oder sie durch mehrmaliges Ansetzen zu unterbrechen.

Meine Gedanken trieben mich an! Neue Ideen schossen mir unafhörlich durch den Kopf! Und in meiner grenzenlosen Neugier, den Fragen auf den Grund zu gehen, überlegte ich mir, wie ich das am besten machen könnte.

Trägheit ist eine Todsünde

Ich bin ein Flaneur! Nur meine unbendige Neugier oder ein A*schtritt könnten mich motivieren! (Den ich mir kaum selbst verpassen kann.)

Dieses Mal obsiegte die Neugier! Als Hobby-Programmierer sah ich darin eine Herausforderung!

Noch am selben Abend begann ich eine App zu programmieren, die mich aus meiner Komfortzone zwingen und zugleich animieren sollte, mutiger und experimenteller beim Zeichnen zu sein! Mein "Poor-Mans-Procreate".

Vielleicht hilft mir das, irgendwie, nicht nur in der Kunst, sondern auch in anderen Bereichen meines Lebens!

Auf das Minimum reduziert

Die App sollte vor allem eines sein: Einfach! Beim Zeichnen soll die Linie im Focus stehen, statt technische Spielereien. Dadurch lernt man mit dem Nötigsten auszukommen und verliert sich nicht in unedlichen Optionen oder verfällt in alte Muster.

Ungewohnte oder unbequeme Situationen zwingen einen erfinderisch zu sein!

Ich überlegte mir außerdem, dass es spannend wäre, wenn man die Hintergrundfarbe stehts ändern könnte!

Arbeitet man längere Zeit an seinem Meisterwerk, gewöhnen sich die Augen daran. Fehlende Pause beschleunigen das. Oft hilft dann, beim Zeichnen die Perspektive zu ändern und alles aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten! So stechen Unstimmigkeiten und Fehler schneller ins Auge! Und die Arbeit bleibt nicht monoton!

Wenn ich zeichne, halte ich permanent meine Zeichnungen vor den Spiegel und begutachte das Spiegelbild. Optische Makel fallen sofort auf! - Diese Funktion musste meine App unbedingt haben! Und ich wusste auch schon ganz genau, wie ich es integrieren würde!

Das Seitenlayout meiner App wird beim Start automatisch ermittelt. Hat man das iPad, beim Starten der App, im Landscape Mode so zeichnet man im Querformat - ist es beim Start im Portrait Mode, beginnt man seine Zeichnung im Hochformat!

Wenn man nun zeichnet, kann man das iPad um 180° drehen (auf den Kopf stellen) und das Bild wird automatisch gespiegelt! So kann man schnell einmal gucken, oder gar weiter in diesem Zustand skizzieren! Cool, nicht?

Wenn ihr meine App ausprobieren wollt, benötigt ihr ein iPad und Codea. Oder ihr schreibt das Programm für Löve2d um.)

Die Navigation innerhalb der App ist einfach.

  • Links, gibt es Parameter zum einstellen der Farben sowie der Stiftgröße.
  • Zum zeichnen, den Finger über den Bildschirm führen.
  • Farben können mit der Pipette von der Zeichnung aufgenommen werden. Dazu den Finger auf dem Bildschirm kurz unbewegt halten.
  • Transparenz der Farbe auf 0 stellen um den Stift als Radiergummie einzusetzen!
  • Zum Spiegeln, das iPad um 180° drehen!
  • Bilder kann man speichern, indem man gleichzeitig Power und Home Tasten auf dem iPad drückt.
  • Zum Löschen/Zurücksetzen, einfach die App neustarten das iPad einige Male schütteln! Eingestellte Farben werden gesichert.

Nachtrag

Hier erkläre ich, wie ich unbegrenztes Widerrufen und Wiederholen (Vor & Zurück) implementiert habe.